1. Advent : Zwischenbilanz

Sonntag, 02.12.2012

Nur noch wenige Tage bis Weihnachten und bis zum meinem 1. Abflug aus Bangalore. Der endgültige folgt dann am 10.März..Zeit für einen Rückblick:

Umzüge seit meiner Ankunft: 3, der 4. folgt dann morgen

größter Kulturschock: der Umgang mit Hygiene (pinkelnde Männer, versiffte Toiletten und Müllberge)

woran ich mich gewöhnt habe: An indisches Essen und den vielen Verkehr

was ich für mich persönlich erreicht habe: 5 Frauen ein Gehalt von je 8500 Rupee (123€) auszubezahlen

was ich noch erreichen möchte: ein paar mehr Wörter Kaanada zu lernen

Aktuelle Anzahl der Fotos: 1856 (da geht noch was)

Meine zwei Lieblingsmottos: "What doesn't kill me, makes me stronger" / "Is halt ne Erfahrung"

Ich gehe schon mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Weinend, weil ich merke, dass ich hier doch schon ganz tollen Menschen begegnet bin, die ich zu meinen Freunden zählen darf. Mary gehört zum Beispiel dazu. Sie zeigt mir so viel vom indischen Leben (und ich bin sicher, da kommt noch mehr) und durch sie kann ich die indische Mentalität mit all ihren einfachen und schwierigeren Facetten kennenlernen. Zum Beispiel fand ich es neulich unglaublich süß, als sie mir gestand, dass sie für eine baldige Hochzeit und viele Kinder betet, denn mit 20 bin ich scheinbar spät dran. Aber sie erklärt mir auch manche Reaktionen oder Verhaltensweisen der anderen Frauen, mit denen wir die Karten produzieren. Ich habe mich eine Zeit lang immer geärgert, dass sie nach dem Geld fragen und mir nicht vertrauten, aber wie sollten sie auch. Vertrauen und Ehrlichkeit sind keine Tugenden, mit denen man in Indien überleben kann . Auch an die Ehemänner hatte ich nich gedacht, die unterdessen ihre Frauen darüber ausfragen, was sie wo und mit wem zusammen machen.

Die Kultur ist eben wie eine Sprache, die man lernen muss.

Doch irgendwo bin ich auch glücklich, bald wieder in dem geordneten Leben zu sein, das ich kenne. Allerdings kommt auch die Frage nach dem "wie geht es weiter?" auf. Ich hing seit dem Abi ziemlich in der Schwebe mit dem, was ich tun will,weil ich eben doch ein vielseitig interessierter Mensch bin. Umso dankbarer bin ich, dass sich trotz meines Auslandsaufenthaltes langsam ein Bild in meinem Kopf formen kann, von dem, was mich im März erwartet.

Auch wenn hier nicht alles rosig verlief und vielleicht auch zukünftig nicht verlaufen wird, freue ich mich darauf, meine gemachten Erfahrungen mit meinen Freunden, meiner Familie und allen, die es interessiert, teilen zu können.Sei es in Form von indischen Abenden (wo nicht nur meine Fotos die Gäste zu Tränen rühren werden, sondern auch das Essen :P) , Vorträgen in meiner ehemaligen Schule, Gemeinde etc. oder natürlich auch einfach bei ner tasse "Masala Chai" :)

Falls es für dich persönlich um die Frage geht, ob ich so einen Auslandsaufenthalt weiterempfehle:

Es kommt auf dich persönlich darauf an. Hör in dich hinein, ob du es dir vorstellen kannst, so lange von deinen Freunden und deiner Familie weg zu sein. Ob du damit klar kommen würdest, alte Gewohnheiten abzulegen und offen zu sein für eine neue Kultur inklusive neuer Sprache.

Ich arbeite an einer kleinen Broschüre, die all den Interessierten ein Leitfaden auf dem Weg zur richigen Entscheidung sein soll.

Das oberste Ziel sollte jedoch bleiben, bei all den Entscheidung ehrlich zu sich selbst zu sein.

 

Annie (wie die Inder mich nennen)

 

Umzugszeug (von Camilla und mir ;) )they have become very professional die hälfte in trichy