Berichte von 09/2012

Auf ins neue Lebensjahr

Sonntag, 30.09.2012

So, mit 20 sieht die Welt nun anders aus. Ich geh nämlich auf die 30 zu hab ich mir sagen lassen und überhaupt, jetzt fängt der Ernst des Lebens an.                       Wirklich? Hmm.. Ich habe das Gefühl, dass sich mein geistiger Horizont nicht großartig in der Nacht vom 28. auf den 29.9. erweitert hat :P

Aber ich habe das Gefühl, dass ich an diesem Wochenende einen Neustart, ein Reset, hinlegen durfte. Vieles hat meine Augen geöffnet von dem Nebel der Wut, Traurigkeit, Enttäuschung und Depression. Zum einen waren es meine drei Mitvolontärinnen Sonja,Lisa und Nora, die in Madurai am Werke sind. Sie haben uns von ihrer Arbeit erzählt und von den ernüchternden Dingen, die Camilla und ich uns viel schöner vorgestellt haben. Ich habe ihre Reaktion gesehen, als ich ihnen unsere Arbeitsstätten gezeigt und ihnen die Kinder vorgestellt habe . Sie waren begeistert, wie aktiv und vielseitig unsere Aufgaben hier zu sein scheinen. Auch unsere Lebensweise in einer eigenen Wohnung mit Selbstverpflegung empfanden sie als eine gute Möglichkeit , um sich selbst zu entfalten.

Wir hatten lange, gute Gespräche und ich glaube, es war der richtige Zeitpunkt, um uns zu besuchen.

Ich habe in den vorherigen Tagen schon Hoffnung schöpfen dürfen, weil ich probierte, einiges aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Mit der Zeit habe ich die Pläne über Bord geworfen, nach Madurai wechseln zu wollen, was bereits als Idee in unseren Köpfen existiert hatte.

Wenn ich eine Sache in Indien lernen will, ist es Durchhaltevermögen zu bekommen.Das hatte ich mir auf dem Vorbereitungsseminar schon fest vorgenommen, als wir gefragt worden waren, was wir aus Indien mitnehmen wollen.

Durchhaltevermögen - eine Eigenschaft , die man als Einzelkind nicht unbedingt lernt (ohne meinen Eltern einen Vorwurf machen zu wollen). Es ist nunmal Tatsache, dass ich vieles in meinem Leben nicht zuende machen musste und ja ich stehe dazu, dass ich früher auch mal von Kinderfreizeiten abgeholt wurde, weil ich es soo schrecklich fand. Das schöne ist, dass ich diese Neigung , vor Dingen wegzulaufen, nun an mir bewusst wahrnehmen durfte und deshalb kann ich mich nun auf den Prozess der Veränderung einlassen. Ich erlebe es gerade in diesem Moment, dass sich vor mir die Tür auftut mit der Überschrift "Zieh es durch - Bleib in Bangalore" , ich steh davor und ich merke, wie ich ihr jeden Tag einen kleinen Schritt näher komme, sodass ich hoffentlich ganz bald hindurchtreten kann.

Ich versuche mir vorzustellen, wie ich mich fühlen werde, wenn ich diese Sache erfolgreich hinter mich gebracht habe und wie ich mich fühlen werde, wenn ich die dagewesenen Probleme solide gelöst habe. Es ist kein Zuckerschlecken und deshalb kotzt ich mich definitiv auch mal darüber aus, aber ich habe erkannt, dass ich mich nicht im Detail verlieren darf.

Ein großes Geschenk, diesen Veränderungsprozess so aktiv mitzuerleben. Toll.

Ansonsten geh ich heut das erste Mal in die Gemeinde. Ich habe über Laura, eine Freundin von mir, Kontakt zu Jerry aus Bangalore bekommen, der uns mit in seinen Gottesdienst nimmt. Ich bin gespannt :-)

So viel zu mir,

ich hoffe, euch wird nicht so schwindlig von diesem auf- und abfahren in meiner Gefühlsachterbahn wie mir. Wobei ich sagen muss, dass Silverstar ohne den 70m nicht so aufregend wäre wie mit. Von da an hoffe ich, dass ich nun auch dieses beflügelnde Gefühl genießen darf, als wenn ich mit 7s Schwerelosigkeit und 3G in meinen Bügelsitz gedrückt werde.

Mein Slogan für die Zeit bleibt weiterhin Psalm 18,30 : "Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen." Und so ist es!

Start in den Tag : Frühstück auf der Dachterasse in der Bawadi School KR Market Blumenknüpfer übertrieben kitschige Mariaverehrung

Travel back to boring bangalore

Sonntag, 23.09.2012

 

Meine letzten Stunden laufen hier in Kolhapur. Ich hatte am Mittwoch letzter Woche spontan beschlossen, die Einladung meines langjaehrigen Brieffreundes Nilesh anzunehmen und ihn und seine Familie zu besuchen. 

Das war das Beste, was ich tun konnte. 

Kurz nach meiner Abreise erhielt ich von Camila die Nachricht, dass sich nun auch kakerlaken in unserer Wohnung breit gemacht haetten...ihr koennt euch nicht vorstellen, wie sehr ich jetzt noch ins Schwitzen komme, wenn ich daran denke. Es war fuer mich die ganze Zeit schon unverstaendlich, wie unsere Mitbewohner nur so ignorant gegenueber der Ordnung und Sauberkeit sein koennen. Bisher dachte ich, dass die Ekelschwelle jeder Mensch besitzt (und meine hatte ich aufgrund meiner oft schimpfenden Mama nicht so arg niedrig eingeschaetzt), doch scheinbar liegen Welten zwischen unserem Empfinden von Wohlgefuehl. ICH jedenfalls, mache ein ,,ooooooooooh man!" bevor ich kurz auf den Boden stampfe, weil die Kueche wiedermal wie ein Schlachtfeld aussieht. Oder die bananen im Wohnzimmer vor sich hin schimmeln oder der chinareis von vor drei tagen wieder zu leben beginnt. Ich war es echt so satt, dass ich des Oefteren selbst ans Werk ging, um den anderen ihren Mist hinterherzuraeumen. Ja, richtig ist das nicht. Mag sein, dass ich mich das ein oder andere Mal damit zum Affen gemacht habe, aber dieser ganze Muell draussen reicht mir, den brauch ich nicht noch in meiner Wohnung. Naja, nach diesem ausschweifenden Lebensstil haben wir nun den Salat. Kakerlaken finde ich alles andere als lustig.

Deshalb war ich halbwegs entspannt, als ich die Nachricht 600km entfernt von Bangalore bekam. 

Nun geht meine Zeit hier zu ende und ich muss sagen, dass ich am liebsten hier bleiben wuerde. Kein Laerm, kein laemender , muede machender Smog, weniger starrende Menschen und das Gefuehl zu haben, umsorgt zu werden. Ich habe nach vier Wochen endlich mal gutes Essen bekommen. Meine Kreationen sind nicht so fuer die Oeffentlichkeit gedacht. Ich mein, woher soll ich auch wissen , wie man Chapatis und Dhaals zubereitet? Ich moechte nicht dauernd fragen, ob ich bitte demnaechst mal zu einem indisch Crashkurs eingeladen werden koennte. 

Es ist auf jeden fall schoen zu wissen, dass ich eingeladen wurde, silvester zusammen mit der familie in goa zu verbringen... ich koennte mir nichts schlimmeres vorstellen als ein raketen-boellerhagel zwischen den engen bauten von bangalore..

und auch in anderen dringenden notfaellen, haette ich dort eine bleibe.

das fuehlt sich gut an.

ich hoffe schwer, dass sich bei uns demnaechst was tun wird. etwas, dass nicht mal mit 500rupies beglichen werden kann, sondern dinge, die auf menschlicher ebene verbessert werden muessen. 

ich bete und bleibe zuversichtlich, denn ich weiss, wenn sich eine tuer schliessen sollte, oeffnet sich auf jeden fall auch eine neue.

bis dahin, 

anne

Nach Krishna folgt Ganesha

Mittwoch, 19.09.2012

Leute ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie froh ihr wegen der ländlichen Stille sein könnt. Im Nachhinein ist es super witzig, wenn ich daran denke wie sich Leute über so ganz simple Dinge aufregen wie zum Beispiel eine Unterhaltung im Wartezimmer einer Arztpraxis , oder über Musik nach 10 Uhr abends. Oder über Busse, die 5 Minuten zu spät kommen :D

Genial…ich freu mich schon wieder auf die Zeit in Deutschland, wenn die Leute um mich herum anfangen zu spinnen.

Ich erlebe hier gerade das Ganesha Fest und ich glaub , innerhalb der letzten beiden Tage hat sich meine Toleranzgrenze schneller vergrößert als die  Bakterienkolonie auf unserem Toastbrot. Es ist schon wahnsinnig ulkig zu sehen, wie die Menschen hier einen Elefanten anbeten. In der Zeitung habe ich gelesen, dass die Inder bereits eine Woche vorher alles zurechtmachen  : Sie putzen das Haus, die Kinder sammeln Spenden und die Familien kaufen sich neue Kleider . Am heutigen Tag kommt der Gott in Form einer kitschigen pink, blau,orange,grün,gelb bemalten Elefantenfigur ins Haus. Da das DAS Ereignis ist, kochen die Frauen sogar die Lieblingsgerichte von Ganesha, was unter anderem Bananen sind.  Die Statuen werden am Samstagabend dann im See hier zu Wasser gelassen.

Ein weiterer sehr witziger Brauch ist es, dass heute alle Freunde und Familienmitglieder besucht werden, um mit ihnen zu essen. Allerdings muss jeder daheim sein, bevor der Mond zu sehen ist, da dieser jeden verflucht, der ihn heute betrachtet.

Hoffentlich können wir dann diese Nacht in Ruhe schlafen. Um nochmal auf die Ruhestörung zurückzukommen : Das sehen die Inder nämlich überhaupt nicht eng. Da wird auch um drei nochmal ein Chinaböller losgelassen, dass man mit den Ohren schlackert. Die tamilischen Gesänge und Trommeln blende ich dank meiner genialen Silikon-„Ohropacks“ aus.

Morgen werde ich für drei Tage nach Mumbai fahren, um dort einen langjährigen Bekannten zu besuchen. Ich freue mich schon riesig und ich glaube, die 12 Stunden Busfahrt werden schnell vergehen.

An alle Harry Potter Fans: Erinnert ihr euch an den Bus, der Harry aufgepickt hat, als er von daheim rausgeflogen ist? In diesem gab es die coolen Schlafbetten – So eines hab ich auch und das ganze für schlappe 12€.

So, ich werde mich nun nochmal hinter meine Bewerbungen klemmen, die muss ich trotz alle dem nämlich noch zuende schreiben.

Ihr hört von mir J

Alles Liebe, Anne

 

Hallo Antrieb, wo bist du?

Sonntag, 16.09.2012

Mein drittes Wochenende neigt sich hier dem Ende zu. Um etwas für unsere Bildung (bzw um überhaupt irgendwas zu tun) waren wir heute im Technik Museum und in der Art Gallery. Die Technik , die ausgestellt wurde , kam aus allen Sparten : Luftfahrt, Biotechnologie, Ingenieurswissenschaften und aus unerklärlichen Gründen gab es auch einen luftdruckbetriebenen Dinosaurier. Vergleichen wir das bangalorische Museum mit, sagen wir mal, den BMW Welten , sind das ganze Galaxien, die dazwischen liegen. Es gab von allem etwas was zu sehen, auch wenn es thematisch völlig unterschiedlich war. Zu Beginn werden erstmal die physikalischen Grundlagen dargestellt wie Hebelwirkungen oder die Funktion von Zahnrädern. Der Knaller war es allerdings, als man am Ende des Rundganges die Funktionsweise eines Reisverschlusses und eines Kugelschreibers erklärt bekam (für die Haptiker gab es das auch zum Ausprobieren).

Der Besuch der Kunsthalle hat zum Glück nur 4 Rupies gekostet. Zu sehen gab es geschätzt 1000 Steine und Tonscherben und ein paar Bilder von indischen Gottheiten, die alle im Mysore Stil verfasst wurden (wobei ich nirgendwo eine Erläuterung dazu gefunden habe). Alt sahen die Bilder nicht aus, als modern würde ich sie aber auch nicht bezeichnen. Das wahre Alter ist uns verschwiegen geblieben , genauso wie der Künstler.

Der Höhepunkt des Tages war es allerdings, als mir zwei junge Männer in einer Schlange auf meinen Hintern geklapst haben. Händchen halten und öffentliches Küssen finden Inder anzüglich, aber das ist scheinbar ok. Die spinnen doch…

Gestern hatten wir übrigens ein Gespräch mit einem YMCA Mitarbeiter, der wohl für uns verantwortlich ist ( hab ich bis jetzt noch nicht allzu viel von gemerkt). Wir bemängelten einige Dinge wie z.B. dass die Arbeit hier mit den Kindern ohne Tamilkurs kaum machbar ist. Genauso wie die Tatsache, dass wir frisch von der Schule kommen und keine Studenten der Sozialen Arbeit sind, die sich mal eben für einen Monat lang Projekte ausdenken können. Momentan ist das Wort Überforderung ganz passend, sowohl auf die Arbeit als auch auf die Großstadt bezogen.

Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum Camilla und ich uns derzeit wie Plumpssäcke fühlen, die träge durch die Gegend schlurfen. Es ist nicht so, dass wir es so hinnehmen, wir raffen uns auf und gehen raus, aber dennoch ist alles mit einer extremen Müdigkeit verbunden, die uns den Spaß an allem nimmt.

Ich wünschte ich könnte die Zeit hier gerade mehr genießen, aber es fällt mir super schwer.

Bis bald (mit hoffentlich positiveren Neuigkeiten)

Eure Anne

Lichtblicke :-)

Donnerstag, 13.09.2012

So nach den vielen negativen Rückschlägen habe ich nun wieder Hoffnung geschöpft. Meine Klagen wurden erhöhrt und so hatten wir gestern Abend ein sehr hilfreiches mit unserem Koordinator Dieter. Zumindest die finanziellen Probleme scheinen fürs erste gelöst, wenn auch doch noch einige bleiben, die es hier zu lösen gilt.

Zum Beispiel die Sache mit dem Tamilkurs oder die Wohnung. Doch auch dort wird sich eine Lösung finden, denn so wie es aussieht, werden unsere Mitbewohner sich eine andere Bleibe suchen.

Nein, an uns liegt es nicht - wir verstehen uns mittlerweile wirklich gut, doch es liegt an der Art und Weise wie wir hier übers Ohr gehauen werden . Unsere Wohnung hat einen monatlichen Wert von ca. 6000 Rupien - wir alle würden 50 000 bezahlen - ohne Nebenkosten. Ich seh das auch durchaus kritisch, aber die Entscheidung, ob wir den Preis bezahlen, liegt nicht bei mir.

Nun aber zum positiven Teil dieses Eintrags (immerhin heißt es ja Lichtblicke).

Ja die Lichtblicke bekomme ich tatsächlich bei meiner Arbeit mit den Kindern. Ich bin darüber verwundert , weil ich eigentlich immer skeptisch war, wenn andere Volontäre total enthusiastisch von ihrer Arbeit erzählt haben. Keine Frage, ich mag Kinder, aber wenn sie ständig um einen herum sind, kann das bestimmt auch mal nerven, oder?

Nun ja, jetzt kann ich das ja beurteilen. Klar , sind sie ständig um einen herum. Doch die Kinder hier sind alles andere als fordernd. Sie freuen sich einfach über unsere Anwesenheit, ohne ein Programm oder ähnliches zu erwarten. Das ist eine echte Erleichterung und es ermöglicht mir, jeden Morgen stressfrei zur Arbeit zu fahren.

Es ist schön zu wissen, dass man auf dem Nachhauseweg mit sich selbst zufrieden sein kann, auch wenn man kein 1a durchorganisiertes Kinderanimationsprogramm abgeliefert hat. Es reicht eben, die Kinder in den Arm zu nehmen , sie zu knuddeln oder in den Schlaf zu wiegen. Und das ist bestimmt für beide Seiten ein toller Moment.

Ich muss übrigens aufpassen, dass sich hier nicht irgendwelche Muttergefühle entwickeln, denn eigentlich hatte ich vor , nach meinem Volontariat zu studieren Lachend

Über was Markus und ich allerdings ernsthaft nachdenken, ist , ein Kind als Patenkind zu unterstützen. Für alle Unwissenden : Markus ist meine zweite Hälfte <3 und kommt mich hier 4 Wochen vor meiner Ausreise besuchen.

Dafür bin ich sehr dankbar, denn es macht mich jetzt schon stolz, ihm "meine Kleinen" vorstellen zu dürfen Lachend

Hier kommen noch ein paar dieser Lichtblicke für euch soo süß, wie die kleinen trotz des Lärms schlafen können mein kleiner fratz :P ein kinderlachen heilt besser als jede Medizin fasziniert von der kamera kurz dem in-den-schlaf-wiegen kurz vor dem in-den-schlaf-wiegen  Unsere Yogastunde im Murphy Town

Das erste Tief

Mittwoch, 12.09.2012

Die letzten Tage waren wirklich sehr aufregend und turbulent... doch ich bin froh, dass es nun geschafft ist und ich mich endlich in die Arbeit mit den Kindern stürzten kann.

Ich beginne einfach mal von vorne : Camilla und ich hatten bei der Einreise am Flughafen schon kleinere Probleme, weil wir ein "Employement Visa" besitzen, aber in Indien nicht als Arbeiter sondern als Volontäre/Freiwillige arbeiten. Wir haben somit kein Unternehmen und auch kein monatliches Gehalt, von dem der Staat Steuern kassieren könnte.

Als wir durch die Immigration Pforte liefen dachte ich, dass es nun geschafft sei. Allerdings ist es hier Pflicht, sich als Ausländer innerhalb von 14 Tagen in einem Registrierungsbüro zu melden. Das taten wir die letzten beiden Tage und es war ein harter Kampf, bevor wir endlich die Bestätigung unserer Registrierung in der Hand hielten. Manchmal sah es auswegslos aus, als es hieß "You have to fly back" oder als sie uns unterstellten, dass die Unterschrift unseres Chefs gefälscht sei. Nach 4 Stunden wurde zumindest mein Antrag anerkannt, Camillas hingegen nicht, obwohl sie die gleichen Dokumente besaß wie ich.

Diese Willkür und diese Machthaberei der indischen Behörden ist wirklich sowas von nervenaufreiben, dass ich gestern Abend super kaputt war.

Wir sind an einem Punkt, wo uns das Land echt gegen den Strich geht : Jeder, angefangen vom Rikshaw Fahrer bis hin zu Ladenbesitzer versuchen uns als "weiße Europäer" zu verarschen. Wir sind es echt Leid, dass uns ein grinsender Rikshawfahrer bei der Preisverhandlung anschaut und meint, "only Hindi", wenn er davor auf Englisch mit Xavier telefoniert hat. Oder wenn er zwischendrin anhält, um nach dem Weg zu fragen, ich meine, er ist doch der Fahrer, den ich bezahle!

Genauso wenig verstehe ich es, wie der YMCA hier ein Bürokomplex bauen und vermieten kann, der für indische Verhältnisse äußerst luxoriös ist. Im Kindergarten gibt es nicht mal Spielzeug und die Kinder schlafen auf Bambusmatten. Dafür soll kein Geld da sein???!

Auch den versprochenen Tamilkurs hab ich mir anders vorgestellt... Er findet in unserem Wohnzimmer statt und besteht darin ,eine halbe Stunde Vokabeln aufgeschrieben haben. Toll. Da werde ich mich prima mit den Kindern verständigen können, die leider kein Englisch verstehen.

All das würde ich auch gerne mal meinem CVJM mitteilen, aber leider meldet sich aus Deutschland niemand zurück.

Kurz gesagt : Ich bin gerade einfach geschlaucht und fertig von den ganzen Dingen , die schief laufen. Ich fühle mich derzeit machtlos hier in dem Land, da ich entweder nicht für voll genommen werde (außer vom indischen YMCA) oder keinen Kontakt nach Deutschland bekomme.

Schade, diese Probleme hätten gerne step-by-step kommen können, doch so häng ich nun in meinem Tief und warte auf Besserung.

Erlebnisse

Mittwoch, 05.09.2012

Commercial Street Smog über Bangalore Altes Government Gebäude Und das Gleiche nur als Neubau Haarige Freunde High Court Auf dem Weg zur Hochzeit , Das ist übrigens Xavier, der sich toll um uns kümmert :) auf der Hochzeit

Unsere Arbeit

Mittwoch, 05.09.2012

Bawardi School - Kindergarten Murphy Town - Day care centre Murphy Town

Unser Haus

Mittwoch, 05.09.2012

 

Unser Haus Wohnzimmer Küche Unser Indisches Bad  Mein Bett

Zwischen Kindergeschrei und Kosmetikerinnen - Mein erster Arbeitstag

Mittwoch, 05.09.2012

So, ich komm gerade von der Arbeit. Nebenbei, es ist halb 2. Gegen meine Arbeitszeiten kann man wirklich nichts einwenden:

Montag - Freitag 10-13 Uhr,  15.30-17 Uhr

Also, die Einrichtung, in der ich ab jetzt einen Monat lang bin, heißt Bawardi School. Eigentlich ist es ein Kindergarten, der mitten im Slum steht und zu dem Kinder im Alter von 1-5 Jahren gebracht werden.

Da die Kinder nur Tamil verstehen und ich bis jetzt noch recht wenig spreche, stellt es sich als Herausforderung dar, dort ein Programm auf die Beine zu stellen.

Außerdem war ich echt entsetzt darüber, wie klein dieser Raum für mehr als 15 Kinder ist. An Spielgeräten gibt es ein Kinderfahrrad - das wars !

Es liegt also an uns,dass wir finden , was wir dort mit den Kindern machen können. Die Kuscheltiere die ich habe wollte ich morgen verteilen, allerdings habe ich festgestellt, dass es leider nicht für alle reicht.

Falls ihr mich unterstützen möchtet, könnt ihr gerne Kontakt mit mir aufnehmen und ich erkläre euch die weiteren Schritte.

Bis dahin,

ich melde mich,

eure Anne :)

 

 

Indisches Essen - eine Herausforderung

Dienstag, 04.09.2012

Und auch mich hat es erwischt.

Eigentlich dachte ich, dass ich, Dank meiner Mum, an die indische Küche gewöhnt sei. Jedenfalls hatte ich bisher keine Probleme und auch hier in unserer Wohnung kochte ich mit Leidenschaft schön scharf :)

Gestern waren wir dann alle auf eine christliche, indische Hochzeit eingeladen, die übrigens vor Kitsch fast aus allen Nähten platzte. Es gab z.B. ein Kamerateam, dass die Gäste während Gesprächen oder dem Essen gefilmt hat. Alles wurde dann in ein Video gepackt, dass auf circa 4 LCD Fernsehern im Raum zu sehen war. Kitschig daran waren die Layouts der Videoshow, denn die Mini-Filmchen erschienen in kleinen Herzluftballons, die über den Bildschirm flogen.

Das Brautpaar war den ganzen Abend damit beschäft auf einer Bühne zu stehen und mit den Gästen Fotos zu schießen , die sich schön der Reihe nach am Bühnenaufgang aufstellten. Für Tanzen, gemeinsames Essen oder witzige Hochzeitsspielchen blieb somit keine Zeit.

Nach dem ausgiebigen Dinner gestern Abend , wo es unzählige vegetarische Masalas gab, spürte ich schon gut das Drücken in meinem Magen.

Das sich das über Nacht allerdings zu schmerzhaften Krämpfen und unaushaltbarer Übelkeit entwickelte, wusste ich nicht. Meinen Morgen verbrachte ich demnach mit einem Eimer und den Rest des Tages im Bett.

Morgen geht das endlich mein Arbeitsalltag los. Camilla und ich werden für einen Monat im Kindergarten arbeiten, danach wird monatlich mit den Studenten durchrotiert.Nach einem Kriesengespräch in der "Volontärs-WG" haben sich die Bögen übrigens geglättet und ich denke , dass wir auf Dauer relativ gut miteinander auskommen werden.

 

Kurzes Update von mir,

over and out

"Und da warens plötzlich fünf"

Samstag, 01.09.2012

So, ich melde mich zurück Zwinkernd

Heute besuchten wir eine erste offizielle Veranstaltung des YMCA Bangalore, bei dem wir mal nicht die Hauptattraktion waren. Eine ehemalige Volontärin präsentierte nämlich dort ihr Projekt, was eine Fotoausstellung des Straßenkinderprojekts darstellt. Die Fotografin war jedoch nicht Susanne, sondern die Kinder selbst. Was am Ende dabei herauskam, erstaunte mich ziemlich, denn die Kinder fotografierten nicht sich oder die Einrichtung, sondern problematische Situationen mit einem aktuellen politischen Inhalt. Es war bewegend, da circa die Hälfte der Kinder entweder ihre Eltern bereits in jungen Jahren verloren haben oder selbst an Krankheiten wie Polio oder Malaria gelitten haben.

Die zweite Attraktion des Tages bestand darin, dass wir unseren besagten Zuwachs bekommen. Wie es eben so indische Art ist, sind es schließlich drei Studenten geworden, von denen ein Exemplar männlich ist. Mein Gefühl ist derzeit zweigeteilt, ob das gut geht. Die Wohnung ist nach unserem Empfinden für fünf Leute einfach viel zu eng und Camilla und Ich unterscheiden uns in gewissen Dingen schon voneinander. Aber gut  -  we will see.

Es klingt für mich immer noch verrückt, wenn ich daran denke, dass ich nun ein halbes Jahr hier verbringen werde. Die Zeit in Deutschland liegt für mich schon soo weit zurück und mir kommt es vor, als wenn ich schon seit 4 Wochen hier bin.

Vorgestern habe ich noch einmal darüber nachgedacht, warum ich dieses Volontariat denn mache und ich konnte folgende Punkte dabei für mich herausfinden: 

klar mache ich das hier alles auch für, um meine Persönlichkeit zu entwickeln und das ganz Bla Bla, aber mir kam der Gedanke, dass ich nicht primär für mich nach Indien gekommen bin, sondern dafür, um einen Auftrag zu erfüllen.

Mein Auftrag ist es, eine gute Repräsentantin für den dt. CVJM zu sein, mit Kindern, die ihre Eltern verloren haben, Spaß zu haben und eine Botschafterin zu sein, um die Dinge, die ich gelernt habe, in Deutschland weitergeben zu können.

Diesen Auftrag hat Gott mir geschenkt und er hat meinen Weg bis hierhin geebnet. Sei es durch das Bewerbungsverfahren, durch die Visaanträge oder der Gang ins Flugzeug.

Es war eine große Herausforderung für mich diese Aufgabe anzunehmen, gerade nach den Erfahrungen, die mein Schüleraustausch in Chile mit sich gebracht haben.

Doch ich habe es gewagt. Denn "Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich."