Berichte von 10/2012

Kreativer Einschaub

Samstag, 20.10.2012

Impressionen Indien:

Chaos, Müll und laut,

dazu alles voll gebaut.

Betrunkene Männer,

verhüllte Frauen,

das muss ich erstmal verdauen.

 

Zwischen all dem die Kinder,

die lachen, spielen,

und darauf abzielen,

dass sie kein Luxusleben haben werden.

 

Immer dasselbe,

Tag für Tag,

sitzen Frauen am Tempel,

knüpfen Blumenbändel.

Die Rikshawfahrt,

teuer, unsanft und hart.

Doch die hats doch die Weiße,

denkt der Inder sich leise.

 

Mich reizt dieser Status,

besonders zu sein,

wegen des Geldes und

dem weißen Schein.

 

Bin keine Diva,

und kein Schauspieler,

bin kein europäischer,reicher Superheld,

ich hab auch nicht das große Geld!

Versteht ihr das nicht?

 

Sie betteln weiter und flehen,

seh sie sogar mit Kindern

auf die Straße gehen,

damit es mehr wehtut,

sie leiden zu sehn.

 

Neben Spielzeug, Kleider- und Geldspenden,

muss ich an unseren Gott denken,

der auf uns schaut.

Herr, ich klage dich nicht an,

weil mein Verstand dich nicht begreifen kann.

 

Doch kann ich im Stillen zu dir flehen,

den Familien und Kindern beizustehen.

Ihnen Essen zu geben für den morgigen Tag,

sie zu heilen, wenn die Krankheit nagt.

 

Vater,

so stelle sie unter deinen Segen

und schenk ihnen ein reich erfülltes Leben.

Auch ohne Geld.

(21.09.2012, Anne-Carin Mohaupt)

 

Entspannen im indisch-irischen Umfeld

Sonntag, 14.10.2012

Dieses Wochenende war wirklich toll. Wir durften für zwei Nächte bei Janet & Neilson einziehen, ein irisch-indisches Ehepaar mit fünf Kindern, einem Mops und einem riesigen Haus. Für beide stand es außer Frage uns einzuladen, auch wenn wir uns erst vor einer Woche das erste Mal im Gottesdienst begegnet sind.

Ich bin so froh und dankbar dafür, denn hier fühlt man sich nicht so dauerhauft schmudelig, beobachtet und der Streßpegel nimmt auch langsam ab. Als wir den beiden unser Haus gezeigt hatten, waren wir überrascht, dass sie so schockiert waren. Wir haben uns mittlerweile damit abgefunden, ich mein , ist das nicht Indien?

Ist es nicht normal, dass es draußen laut ist, betrunkene Männer vor dem Hauseingang liegen, Kinder ihren Darminhalt auf der Straße entleeren oder Nachbarn gern durch die Fenster spannen? Wir kein warmes Wasser zum Abspülen haben und mein Klo mitten im Zimmer steht?

Nein..das ist nicht Indien. Die Inder bezeichnen unsere Gegend als Semi-Slum, Halb-SLum, und das gab mir zu denken. Prägend war auch das gestrige Ereignis, als ich in Unterwäsche aus der Dusche gehuscht bin und mich zwei Inderaugen aus dem Rohbau nebenan (vielleicht 2m entfernt) angestarrt haben. Dieser Lustmolch..der wusste genau, dass ich zuvor Richtung Dusche gegangen bin.. UNd überhaupt..ich hatte es ja schon geschrieben, wie aufdringlich Männer hier sind.

Da ist es nicht unüblich, dass Fahrer einen Verkehrsunfalls provozieren, wenn sie sich während des Fahrens aus dem Fenster nach hinten lehnen und schreien "I looove you Auuuntie" . Abgesehen davon, dass ich Auntie in der Kombination ziemlich unpassend finde, ist es einfach nur äußerst primitiv.

Ich möchte noch kurz von unserem Projekt in der Bawadi School berichten. Ich habe nun das Konto eingerichtet und jeder, der Interesse hat, kann sich bei mir melden.(Ich weiß nämlich nicht, ob es so gut ist, die Kontodaten ins Internet zu stellen).

Wir haben das Projekt nun noch erweitert : Da ich nicht nur um Spenden betteln möchte, werden Camilla, fünf indische Frauen und ich noch Grußkarten basteln, die wir verkaufen möchten. Wir haben uns mit den Frauen darauf geeinigt, dass 10Cent pro Karte an jede Frau gehen, da sie von uns ein Gehalt verlangt haben. Da war ich vielleicht erstmal geschockt, aber im Nachhinein verstehe ich es immer mehr. Unser Ziel ist es, 600 Karten zu verkaufen, was bedeutet, dass die Frauen 60€, al um die 4000Rupien erhalten. Das ist höchwahrscheinlich mehr als deren Monatseinkommen. Da ich über Weihnachten nach Deutschland kommen werde, habe ich die Karten da im Gepäck dabei haben. Wer im Vorfeld schon welche bestellen möchte - melden :)

Und falls jemand sonst noch etwas aus Indien haben möchte, meldet euch. Ich lasse mein Gepäck größtenteils hier und habe somit noch 10kg frei.

Ansonsten melde ich mich ganz bald wieder :)

Liebe Grüße (aus dem 33°C heißen Bangalore :P)

Anne

 

PS: Unten noch die Bilder, aus der Bawadi School

dieser Raum soll ein Dach bekommen, der Boden begradigt werden und es soll eine Sanitäreinlage und Küche entstehen diese Wand soll nach vorne versetzt werden, sodass der Raum größer wird das ist die die Küche, die zum Schlafraum umgewandelt werden soll das einzige Spielgerät - von den Restspenden würde ich gerne einen Kaufmannsladen oder eine Spielküche kaufen Die bawadi school von außen

Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusamm'

Samstag, 06.10.2012

Entspannt und motiviert melde ich mich von unserem Kurztrip zurück. Camilla und ich waren in Kerala unterwegs, die Geburtstätte der Ayurveda Heilkunst, das Land der Palmen und der Schönheit. Und wirklich, das stimmt. Es ist sehr grün dort und man kommt bei den Temperaturen von weitaus über 30°C im Schatten auch gut in Tropenstimmung.

Das Highlight dieser drei Tage war mit Abstand der Besuch im "Elephant hospital". Circa 30 Tiere leben dort auf einem großen Parkgelände unter freiem Himmel, die man als Touri dann bestaunen kann (wobei wir wieder mal einzigen Europäer dort waren). Wir verbrachten die darauffolgende Nacht in Cochi (auf malayan: enarkulam) , wo es große chinesische Fangnetze gibt (ich dachte bisher, dass China nur Fische aus künstlich angelegten Aufzuchtbecken und Antibiothikatümpel liefert, somit hab ich wieder was gelernt. Allerdings ist es fraglich, ob man den Beifang unterstützen sollte.)

Den Rest des Tages haben wir mal ganz klischeehaft mit, ich nenns jetzt mal Einkaufen statt shoppen, verbracht. Ganz untypisch im Tibet Shop und im indischen Kaufhaus Jaylakshmi. Das Geld war eingespart vom Bus und vom Zimmer, für das wir insgesamt nicht mehr  wie 50€ bezahlt haben. In puncto billige Unterkunft und public transport ist Indien wirklich empfehlenswert. Nur in Sachen Genauigkeit sollte man sehr tolerant sein. Das stellten wir z.B. heute morgen fest, als die Inder mal wieder zum Generalstreik aufgerufen haben : kein Bus, wenige Züge, selten ne Rikshaw und kein Taxi durften die Grenze zu Karnataka (unser Zielort) überqueren. Blöd, aber zum Glück hatten wir einen hilfsbereiten Inder im Bus, der uns doch zu dem richtigen Zug gebracht hat.Die Wartezeiten hat er dann natürlich genutzt, um uns auszufragen : was wir machen, wo wir arbeiten, von welcher Regierung wir unser Gehalt bekommen und ob wir genug Zutaten daheim haben um zu kochen. Ja...da war ich auch verwirrt, aber so sind die Inder : immer besorgt, man könnte in diesem Land verhungern :P

Die Zugfahrt war auch recht amüsant, da uns ein junger Kerl aus Delhi gegenübersaß, der uns erstmal genaustens begutachtete. Für mich war es nur eine Frage der Zeit, wann er nach meinem Familienstand fragt (das ständige Schielen auf meinen Silberring hatte ich nämlich bemerkt). So fragte er mich neugierig , ob ich denn verheiratet wäre und Kinder hätte. Es war verlockend, sich nicht eine Story aus den Fingern zu saugen, aber ich beließ es bei einem "mhhm", dass ihm einen Interpretationsfreiraum liefern sollte. 

Neben all den erlebnisreichen Sachen war diese Auszeit auch wirklich eine Bereicherung für Camilla und mich. Wir hatten viel Zeit zum Reden und ich bin froh, dass wir nun an einem Strang ziehen, auch was Bangalore betrifft. Wir haben erkannt, dass es nicht viel Sinn macht, sich oft gegenseitig runterzuziehen und den anderen in seiner negativen Sichtweise zu bestärken. Auch wenn dieses manchmal leichter ist als Mut zuzusprechen. Ich bin dankbar für die objektive Reflexion der Dinge und für die guten Lösungsansätze, die wir aus den Gesprächen mitnehmen. Wir haben uns (so richtig typisch deutsch) to do Listen gemacht mit Programmpunkten für die Kinder, Orten, die wir sehen wollen, Dinge, die unsere Wohnung schöner machen und und und. Klingt jetzt wieder etwas übermotiviert, aber lieber so, als dieses Gefühl der Machtlosigkeit mit sich zu tragen.

Noch dazu wurde uns letzte Woche ein tolles Projekt vor die Füße gelegt, das geradezu einladend ist, um auch in Deutschland auf Indien aufmerksam zu machen. Genauere Infos könnt ihr gerne noch per Mail einholen, ansonsten werde ich hier noch einen Flyer online stellen.

Ich verrate schonmal so viel : Aufgrund des Monsuns hat ein Dach im Kindergarten nicht standgehalten, sodass dieser Raum nun nicht mehr benutzbar ist. Unser Ziel ist es Spenden zu sammeln und mitzuhelfen, diesen Raum wieder aufzubauen. Wir brauchen demnach Geld für ein Dach, eine Innenverputzung, einen neuen Boden, Farbe und sonstiges Material. Was mir persönlich am Herzen liegt, ist es, den Kindern ein gescheites Klo zu schenken, da sie sich bisher mit einem Erdloch zufrieden geben müssen oder einfach in den Spielraum pinkeln. Für jeden der hilft, haben wir uns auch ein kleines Giveaway ausgedacht, dass Euch an Eure Mithilfe erinnern soll.

In Kürze erfahrt ihr mehr davon,

bis dann,

alles liebe, Anne

 

Sonnenuntergang auf meiner Dachterasse (farben sind naturbelassen!) Elefantenhospital Blick über cochi chinesische fangnetze pompöse katholische Kirche in Thrissur kitschiger indischer Bus